Theo Müller sieht den AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als „Signal an das ganze Land“. Der 86-jährige Mehrheitsgesellschafter der Molkereigruppe Müller hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einem „Welt am Sonntag“-Interview dazu aufgerufen, die SPD aus der Bundesregierung zu entlassen und mit einer Minderheitsregierung mit wechselnden Mehrheiten zu regieren. Alle Fakten zu Müllers Aussagen, dem historischen Wahlergebnis vom 6. September 2026 und der Kontroverse um seine AfD-Nähe im Überblick.
Was hat Theo Müller zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gesagt?
Theo Müller bezeichnete den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt als „Signal an ganz Deutschland“. Der CSU-Unternehmer sagte der „Welt am Sonntag“: „Die Bürger von Sachsen-Anhalt haben ein Signal an das ganze Land gesendet. Mit der bisherigen Politik kann es so nicht weitergehen.“ AfD-Chefin Alice Weidel, mit der er nach eigenen Angaben befreundet ist, schrieb er nach dem Wahlsieg: „Gratuliere zum sensationellen Erfolg!“
Was fordert Theo Müller von Bundeskanzler Friedrich Merz?
Müller schlägt Merz eine CDU-Minderheitsregierung vor: Die SPD solle aus der Regierung entlassen werden, anschließend solle mit wechselnden Mehrheiten regiert werden. Sein Kommentar dazu: „Da bliebe nur die AfD übrig.“ Sein Ideal: „Schwarz und Blau. Dann wäre Deutschland bald saniert.“ Konkret fordert Müller:
- ein Schuldenverbot
- das Ende der Energiewende, die er als „Wende ins Nichts“ bezeichnet – sie habe bislang 500 Milliarden Euro gekostet und bis 2050 fünf Billionen kosten sollen
- den Abbau von Subventionen, Ende der Einspeisevergütung und des CO2-Zertifikatehandels
- eine restriktivere Migrationspolitik
- die Einstellung von Entwicklungshilfe und der Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland
Welche AfD-Positionen lehnt Theo Müller ab?
Trotz seiner deutlichen Sympathiebekundungen nennt Müller auch rote Linien. Auf die Frage, welche AfD-Positionen er ablehne, sagte er: „Ein Austritt aus der EU oder aus dem Euro ginge mir zu weit.“ Zudem bezeichnete er die Debatte um den AfD-Begriff „Remigration“ als überzogen: „Wer ein Recht hat, bei uns zu bleiben, der kann davon Gebrauch machen. Und wer kein Recht hat, weil er illegal in Deutschland ist, der muss das Land verlassen. Das ist doch selbstverständlich.“ Bereits 2024 sagte er der NZZ, das AfD-Programm enthalte Punkte, wo er sage: „Was soll das?“ – er sei kein AfD-Mitglied und wolle auch keins werden.
Wie lautete das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026?
Die Wahl zum neunten Landtag von Sachsen-Anhalt fand am 6. September 2026 statt. Das vorläufige Endergebnis:
| Partei | Zweitstimmen | Veränderung zu 2021 |
| AfD | 43,8 % | +23,0 Prozentpunkte |
| CDU | 17,2 % | −19,9 Prozentpunkte |
| SPD | 9,3 % | +0,9 |
| Grüne | 8,9 % | +3,0 |
| Linke | 8,6 % | −2,4 |
| BSW | 5,3 % | neu |
| FDP | 2,6 % | −3,8 (aus dem Landtag) |
Die AfD erreichte damit ihr bestes Landtagswahlergebnis überhaupt und den höchsten Wert einer Partei in Sachsen-Anhalt seit der Wende 1990 – die CDU fiel auf ein historisches Tief. Mit 39 von 83 Mandaten verfehlte die AfD die absolute Mehrheit (42 Sitze) knapp; die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent, ein Rekord seit der Wiedervereinigung. Es war erst das zweite Mal nach Thüringen 2024, dass die AfD als rechtsextremistisch eingestufte Partei eine Landtagswahl gewann.
Wer ist Theo Müller? Hintergrund zum Unternehmer
Theo Müller ist Chef und Mehrheitsgesellschafter der Unternehmensgruppe Theo Müller – zu der Marken wie Müllermilch, Weihenstephan, Landliebe und Sachsenmilch gehören. Der 86-jährige CSU-Unternehmer gehört zu den reichsten Deutschen. Sein Verhältnis zur AfD ist seit Herbst 2023 öffentlich dokumentiert, als Fotos von ihm mit AfD-Chefin Alice Weidel in einem Luxusrestaurant in Cannes erschienen. Seitdem ließ er sich wiederholt mit Weidel ablichten, unter anderem 2025 bei den Bayreuther Festspielen, und nannte sie eine „Freundin“.
Welche Kontroverse gibt es um Müllers AfD-Nähe?
Berichten zufolge machte die Kampagne Campact Müllers Nähe zur AfD ab September 2025 mit 28.000 Plakaten („Alles AfD, oder was?“) und 2,2 Millionen Stickern in Supermärkten zum Thema. Müller klagte dagegen – und scheiterte: Das Landgericht Hamburg entschied im Februar 2026, dass Campact ihn weiterhin als „AfD-Unterstützer“ bezeichnen darf, da die Aussage als Meinungsäußerung gilt. Müller hatte stets erklärt, er habe der AfD keine Spenden geleistet.
Fazit: Ein Unternehmer, der die politische Debatte mitprägt
Theo Müllers Einschätzung des AfD-Erfolgs in Sachsen-Anhalt als „Signal an ganz Deutschland“ zeigt, wie weit die Diskussion um die Zusammenarbeit mit der AfD vorangeschritten ist. Mit der Forderung nach einer schwarz-blauen Minderheitsregierung in Berlin positioniert sich der Müllermilch-Chef klar gegen die bisherige Politik der Union – bleibt aber selbst CSU-Mitglied und lehnt zentrale AfD-Forderungen wie den EU-Austritt ab.
Die Regierungsbildung in Magdeburg bleibt offen: CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze erklärte am 7. September, seine Partei sehe keinen Regierungsauftrag mehr und gehe in die Opposition. Rechnerisch kämen sowohl AfD + BSW (44 Sitze) als auch ein Bündnis aus CDU, SPD, Grünen und Linke mit BSW-Duldung (44 Sitze) auf eine Mehrheit – entscheidend ist das noch unentschlossene BSW als Königsmacher. Die konstituierende Sitzung des neuen Landtags muss spätestens am 6. Oktober 2026 stattfinden; einen festen Termin für die Ministerpräsidentenwahl sieht die Verfassung nicht vor.
