Katharina John

Katharina John: Dramaturgin, Operndirektorin & Chefdramaturgin der Oper Graz

Wer im deutschsprachigen Musiktheater nach Katharina John sucht, landet bei einer der erfahrensten und vielseitigsten Dramaturginnen ihrer Generation. Seit über 25 Jahren prägt sie Opernhäuser in Deutschland und Österreich mit ihrer dramaturgischen Arbeit von der Oper Kiel über die Deutsche Oper Berlin bis zur Chefdramaturgin der Oper Graz, wo sie seit Herbst 2023 tätig ist.

Wer ist Katharina John? Biografische Eckdaten

Katharina John wurde am 9. Juli 1970 in Heidelberg geboren und ist eine deutsche Dramaturgin, die sich auf das Musiktheater spezialisiert hat. Eine Dramaturgin im Opernbetrieb übernimmt weit mehr, als der Begriff zunächst vermuten lässt: Sie analysiert Werke inhaltlich und musikalisch, begleitet Regieteams bei der Konzeption von Inszenierungen, verfasst Programmhefttexte und vermittelt zwischen künstlerischer Vision und Publikum. Es ist eine Position, die fundiertes musikwissenschaftliches und theatergeschichtliches Wissen mit organisatorischem Geschick verbindet.

Ihre ersten Bühnenerfahrungen sammelte Katharina John bereits während ihres Studiums: 1994 war sie gastweise als Regieassistentin im Schauspielbereich an den Bühnen der Landeshauptstadt Kiel tätig ein früher Einstieg in die Theaterwelt, der den Grundstein für ihre spätere Spezialisierung auf das Musiktheater legte.

Wer nach „Katharina John“ sucht, sollte beachten: Der Name ist im deutschsprachigen Raum nicht selten, und es existieren mehrere Personen mit diesem Namen in unterschiedlichen Berufsfeldern etwa im Bereich Immobilienwirtschaft oder Unternehmensberatung. Die in diesem Artikel beschriebene Katharina John ist eindeutig die deutsche Musiktheaterdramaturgin mit Wikipedia-Eintrag, deren Karriere seit den 1990er Jahren öffentlich dokumentiert ist.

Die Anfänge: Oper Kiel und die Zusammenarbeit mit Kirsten Harms

Den eigentlichen Karrierestart als festes Ensemblemitglied erlebte Katharina John an der Oper Kiel. Von der Spielzeit 1995/96 bis 2003 gehörte sie als Musiktheaterdramaturgin für Oper, Konzert und Ballett zum festen Team unter der Intendantin Kirsten Harms. Diese fast achtjährige Phase prägte ihre dramaturgische Handschrift entscheidend die enge Zusammenarbeit mit Harms sollte sich später als roter Faden durch ihre gesamte Karriere ziehen.

Nach ihrer Zeit in Kiel wechselte Katharina John zunächst in einen anderen Bereich der Musikbranche: Sie arbeitete im Musikmanagement für die Berliner Agentur K&K, Kultur & Kommunikation. Dieser Zwischenschritt erweiterte ihr Verständnis für die wirtschaftlichen und organisatorischen Mechanismen des Kulturbetriebs Wissen, das ihr in späteren Führungspositionen zugutekommen sollte.

Saarbrücken und die Rückkehr zu Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin

Mit Beginn der Spielzeit 2005/06 wechselte Katharina John für ein Jahr an das Saarländische Staatstheater Saarbrücken. Dort entwickelte sie unter anderem die Veranstaltungsreihe „Lieder On Stage“ Liederabende mit szenischer und räumlicher Einrichtung auf der Bühne, musikalisch geleitet von Anne Champert.

Noch im selben Jahr holte Kirsten Harms sie als Stellvertretende Chefdramaturgin an die Deutsche Oper Berlin eines der bedeutendsten Opernhäuser Deutschlands. In dieser Funktion arbeitete Katharina John mit international renommierten Dirigenten wie Alain Altinoglu, Paolo Carignani und Pinchas Steinberg sowie mit Regisseuren wie Christoph Schlingensief und David Pountney zusammen. Besonders bemerkenswert: Im Frühjahr 2007 organisierte sie an der Deutschen Oper Berlin das interdisziplinäre Symposion „Alexander Zemlinsky und die Moderne“ und gab den zugehörigen Tagungsband beim Nicolai-Verlag heraus ein Beleg für ihre wissenschaftliche Tiefe neben der praktischen Theaterarbeit.

Theater Augsburg: Vom Chefdramaturgen-Posten zur Operndirektorin

Der nächste große Karriereschritt führte Katharina John ab Januar 2011 an das Theater Augsburg. Dort übernahm sie zunächst die Position der Chefdramaturgin für alle Sparten, bevor sie zur Geschäftsführenden Leiterin des Musiktheaters und schließlich zur Operndirektorin aufstieg eine steile interne Karriereentwicklung innerhalb desselben Hauses.

In ihrer Augsburger Zeit entstanden zwei besonders bemerkenswerte Produktionen: die Inszenierungen von „Carmen“ (Spielzeit 2011/12) und „Elektra“ (2012/13), beide unter der Regie von Lorenzo Fioroni. Beide Produktionen wurden für den renommierten Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ nominiert eine der höchsten Auszeichnungen im deutschsprachigen Theaterbetrieb.

Auch jenseits des klassischen Repertoires zeigte Katharina John in Augsburg ihre Innovationsfreude. Sie initiierte das spartenübergreifende, experimentelle Late-Night-Format „Quick & Dirty“ und entwickelte gemeinsam mit dem Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg das Opernprojekt „Meeting Dido“ mit Studierenden, das Bruno Maderas „Satyricon“ mit Henry Purcells „Dido und Aeneas“ verband musikalisch geleitet von Eberhard Fritzsche, inszeniert von Jörg Behr. Ein weiteres Sonderprojekt war die Aufführung von Luigi Nonos Streichquartett „Fragmente Stille, an Diotima“ als Konzertinstallation, gemeinsam mit den Augsburger Philharmonikern und dem Installationskünstler Martin Miotk realisiert.

Im April 2014 konzipierte sie zudem gemeinsam mit der Spielvereinigung „Widrige Umstände“ eine Kunst-Nacht im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, bei der das Wesen der Kunst im Dialog mit den Besuchern und einem Parcours aus Theater, Information, Installation und Diskurs erforscht wurde. Bereits zuvor, noch während ihrer Saarbrücker Zeit, hatte sie 2007 mit dem Musiktheaterprojekt „Die Bohème am Kottbusser Tor“ im Festsaal Kreuzberg ein weiteres Beispiel ihrer Vorliebe für ungewöhnliche, publikumsnahe Spielorte geliefert in Zusammenarbeit mit der freien Theaterszene Berlins und unter künstlerischer Leitung von Julia Schreiner. Diese Häufung an Sonderprojekten zeigt ein durchgängiges Muster in Katharina Johns Schaffen: Sie sucht consequent nach Wegen, das klassische Musiktheater mit zeitgenössischen, oft ortsspezifischen Formaten zu verbinden.

Theater Trier: Operndirektorin mit vorzeitigem Vertragsende

Im September 2014 wurde bekannt, dass Katharina John ab Sommer 2015 als Operndirektorin am Theater Trier arbeiten würde ein weiterer Schritt in eine Leitungsposition. Dieser Vertrag wurde jedoch im September 2017 vorzeitig aufgelöst. Über die genauen Hintergründe dieser frühzeitigen Trennung liegen keine öffentlich bestätigten Details vor; seriöse Quellen beschränken sich auf die Tatsache der vorzeitigen Vertragsauflösung, ohne Spekulationen über die Gründe anzustellen.

Landestheater Linz: Dramaturgin der Tanzkompanie TANZLIN.Z

Mit Beginn der Saison 2017/2018 fand Katharina John ein neues künstlerisches Zuhause: Sie wechselte als Dramaturgin und Produktionsleiterin der Tanzkompanie TANZLIN.Z unter der Leitung von Mei Hong Lin an das Landestheater Linz. Dieser Wechsel markierte eine interessante Erweiterung ihres künstlerischen Spektrums von der klassischen Operndramaturgie hin zur zeitgenössischen Tanzkunst. Es zeigt die Flexibilität und Vielseitigkeit, mit der Katharina John ihre dramaturgische Expertise über verschiedene Kunstgattungen hinweg einsetzt.

Aktuell: Chefdramaturgin der Oper Graz seit Herbst 2023

Der bislang letzte und aktuelle Karriereschritt von Katharina John führte sie nach Österreich: Seit Herbst 2023 ist sie Chefdramaturgin der Oper Graz. Die Oper Graz zählt zu den bedeutendsten Musiktheatern Österreichs außerhalb Wiens und bietet Katharina John eine zentrale künstlerische Führungsposition.

Im April 2023 berichtete der ORF Steiermark über das neue Team der Oper Graz, dem Katharina John als Chefdramaturgin angehört. Auch das regionale Medium meinbezirk.at griff die Personalie auf und betonte, dass sich die Oper Graz mit dem neuen Team stärker für ihr Publikum öffnen wolle eine programmatische Ausrichtung, die mit Katharina Johns langjähriger Erfahrung in publikumsnahen Sonderformaten wie „Quick & Dirty“ in Augsburg gut zusammenpasst.

Wissenschaftliches Wirken: Publikationen und Fachbeiträge

Neben ihrer praktischen Theaterarbeit hat sich Katharina John auch wissenschaftlich-publizistisch profiliert. Als Herausgeberin verantwortete sie den Sammelband „Alexander von Zemlinsky und die Moderne“ (Berlin 2009, ISBN 978-3-89479-574-0), der aus dem von ihr organisierten Symposion an der Deutschen Oper Berlin hervorging. Diese Publikation unterstreicht ihre Doppelqualifikation als praktizierende Dramaturgin und musikwissenschaftlich versierte Autorin eine Kombination, die in der Opernbranche keineswegs selbstverständlich ist.

Künstlerisches Netzwerk: Zusammenarbeit mit der Crème der Opernwelt

Über ihre gesamte Karriere hinweg hat Katharina John mit einer beeindruckenden Bandbreite international anerkannter Künstler zusammengearbeitet. Zu den Dirigenten, mit denen sie kooperierte, zählen neben den bereits genannten auch Dirk Kaftan, Ulf Schirmer, Sebastian Lang-Lessing, Peter Marschik und Ulrich Windfuhr. Im Bereich der Regie arbeitete sie unter anderem mit Þorleifur Örn Arnarsson, Andreas Kriegenburg, Philipp Stölzl, Markus Bothe, Torsten Fischer, Igor Folwill, Johanna Garpe, Patrick Kinmonth, Christian Pöppelreiter, Roland Schwab und David Pountney zusammen Namen, die in der internationalen Opern- und Theaterszene höchstes Ansehen genießen. Bemerkenswert ist zudem die geplante, aber letztlich nicht zustande gekommene Zusammenarbeit mit dem renommierten Regisseur Jürgen Gosch an einer Neuinszenierung von Bizets „Carmen“ für die Deutsche Oper Berlin ein Projekt, das Katharina John bereits vorbereitet hatte.

Auch mit Choreographen wie Christian Spuck, Stephan Thoss, Mario Schröder und Marguerite Donlon kreuzten sich ihre beruflichen Wege. Diese Liste an Kooperationspartnern zeigt: Katharina John bewegt sich seit Jahrzehnten im obersten Segment des deutschsprachigen Musiktheaters und hat sich dort als verlässliche, kreative und intellektuell anspruchsvolle Dramaturgin etabliert. Die schiere Bandbreite an Regiehandschriften, von experimentell-zeitgenössisch bis traditionell-werktreu, mit denen sie erfolgreich zusammenarbeitete, unterstreicht ihre künstlerische Flexibilität und ihr feines Gespür für unterschiedliche ästhetische Zugänge zum Musiktheater.

Fazit: Eine Karriere im Dienst des Musiktheaters

Katharina Johns Werdegang liest sich wie eine Landkarte der bedeutendsten deutschsprachigen Opernhäuser: Kiel, Saarbrücken, Berlin, Augsburg, Trier, Linz und nun Graz. In jeder Station hat sie nicht nur klassische dramaturgische Arbeit geleistet, sondern auch innovative Sonderformate und interdisziplinäre Projekte initiiert, die das Musiktheater einem breiteren Publikum näherbringen.

Als Chefdramaturgin der Oper Graz setzt sie diese Tradition heute fort mit dem klaren Ziel, das Haus für sein Publikum zu öffnen, ohne den künstlerischen Anspruch zu verlieren. Wer die Entwicklung des deutschsprachigen Musiktheaters der letzten 25 Jahre verstehen will, kommt an Katharina John kaum vorbei.

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