In einer Zeit, in der die Berichterstattung aus Krisenregionen wie dem Nahen Osten höchste Anforderungen an Objektivität, Sprachkenntnisse und persönlichen Einsatz stellt, verkörpert Sophie von der Tann eine neue Generation von Korrespondentinnen. Die 34-jährige Journalistin berichtet seit August 2021 für die ARD aus Tel Aviv und hat sich mit ihrer klaren, faktenbasierten und gleichzeitig empathischen Art einen festen Platz in der deutschen Fernsehlandschaft erobert.
Ob beim Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 oder in den darauffolgenden Monaten des Gaza-Krieges – ihre Beiträge in der Tagesschau und anderen ARD-Formaten erreichen Millionen Zuschauer. Dieser ausführliche Porträtbeitrag beleuchtet den Werdegang von Sophie von der Tann, ihre Karriere bei der ARD, ihren persönlichen Hintergrund und die Meilensteine, die sie zu einer der profiliertesten Nahost-Korrespondentinnen gemacht haben.
Der frühe Werdegang und Ausbildung von Sophie von der Tann
Sophie Henny Elinor Freiin von und zu der Tann-Rathsamhausen wurde am 29. April 1991 in Kassel geboren. Sie wuchs in Tann (Rhön) auf, dem Stammsitz der traditionsreichen Adelsfamilie von der Tann. Das familiäre Umfeld prägte sie früh: Ihre Mutter, Christiane Freifrau von und zu der Tann-Rathsamhausen, geborene Bohnekamp, arbeitet als Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht. Ihr Vater, Michael von der Tann, ist Diplom-Agraringenieur und war bis Juni 2022 Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes. Ein entfernter Verwandter ist der bekannte Journalist Hartmann von der Tann. Die Familie ist seit der Reformation eng mit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck verbunden.
Nach dem Abitur am Domgymnasium Fulda entschied sich Sophie von der Tann für ein internationales Studium. Sie begann an der Ludwig-Maximilians-Universität München und setzte es an der University of Oxford fort, wo sie 2011 bis 2014 einen Bachelor in Theologie und Oriental Studies absolvierte. Weitere Stationen führten sie an die Columbia University in New York und schließlich an die London School of Economics and Political Science (LSE), an der sie einen Master in International and World History erwarb. Ihre Abschlussarbeit widmete sich der Entwicklung und Verbreitung des Konzepts der „jüdisch-christlichen Tradition“ im Nachkriegsdeutschland. Von 2010 bis 2016 wurde sie von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Diese fundierte akademische Basis in Geschichte, Theologie und internationalen Beziehungen, kombiniert mit perfekten Sprachkenntnissen in Englisch, Französisch, Hebräisch und Arabisch, legte den Grundstein für ihre spätere Arbeit in Krisengebieten.
Der Einstieg in den Journalismus
Bereits mit 16 Jahren sammelte Sophie von der Tann erste praktische Erfahrungen: Sie absolvierte ein Praktikum beim ZDF in Washington, D.C. Nach dem Studium begann sie 2016 ihr Volontariat beim Bayerischen Rundfunk (BR), das sie 2018 abschloss. Ein Teil der Ausbildung führte sie bereits nach Tel Aviv – eine Station, die ihre spätere berufliche Zukunft vorzeichnete.
Noch während des Volontariats zeigte sie unternehmerischen Geist. Im August 2018 gründete sie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen den Instagram-News-Kanal „News-WG“, der junge Menschen mit aktuellen Themen anspricht. Im November 2018 wechselte sie ins BR/ARD-Hauptstadtstudio in Berlin, wo sie als Journalistin arbeitete und den Podcast „Mal angenommen“ mitinitiierte. Diese Phase festigte ihre Fähigkeit, komplexe Themen verständlich und multimedial aufzubereiten. Der Axel-Springer-Preis für junge Journalisten 2019 für „News-WG“ und die Auszeichnung als eine der Top-30-Nachwuchsjournalisten unter 30 durch das Medium Magazin unterstrichen ihr Talent frühzeitig.
Die Karriere bei der ARD: Von Berlin nach Tel Aviv
Seit August 2021 ist Sophie von der Tann ARD-Korrespondentin im Studio Tel Aviv. In dieser Rolle berichtet sie nicht nur aus Israel, sondern auch aus den palästinensischen Gebieten. Ihre Berichterstattung gewann besonders ab dem 7. Oktober 2023 an Intensität, als sie rund um die Uhr über den Terrorangriff der Hamas und den anschließenden Krieg in Gaza informierte. Im Februar 2024 reiste sie sogar in den Gazastreifen – eine der wenigen Gelegenheiten für westliche Journalisten, das Gebiet aus erster Hand zu erleben.
Ihre Stärke liegt in der Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge in klaren, verständlichen Sätzen zu vermitteln. Kollegen loben ihre ruhige, sachliche Präsenz auch unter extremem Druck. Die ARD schätzt sie als Korrespondentin, die „komplexe und emotional aufgeladene Themen differenziert und ausgewogen“ darstellt. Trotz der herausfordernden Bedingungen im Nahen Osten bleibt sie vor Ort und setzt sich bewusst der Realität aus, um authentische Berichte zu liefern.
Auszeichnungen und gesellschaftliche Debatten
Die journalistische Leistung von Sophie von der Tann wurde mehrfach gewürdigt. 2024 erhielt sie den Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises für ihre Berichterstattung zum 7. Oktober und dem Gaza-Krieg. Im selben Jahr wählte das Medium Magazin sie zur Journalistin des Jahres in der Kategorie „Nationale Berichterstattung“. Hinzu kam der Blaue Panther – TV & Streaming Award in der Kategorie Information/Journalismus.
2025 folgte der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, der jedoch kontroverse Reaktionen auslöste. Pro-israelische Stimmen kritisierten die Auszeichnung als einseitig, während zahlreiche Kolleginnen und Kollegen sowie Presserechtsorganisationen die Journalistin verteidigten und von einer „Diffamierungskampagne“ sprachen. Sophie von der Tann selbst wies Vorwürfe der Parteilichkeit zurück und betonte ihre Verpflichtung zu faktenbasierter Berichterstattung. Die Debatte unterstreicht die Herausforderungen, mit denen Korrespondenten in polarisierten Konflikten konfrontiert sind. Anfang 2026 wurde sie zudem für den Grimme-Preis nominiert – ein weiterer Beleg für ihre anhaltende Relevanz.
Wichtige Meilensteine im Leben und in der Karriere von Sophie von der Tann
| Jahr | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1991 | Geburt in Kassel | Wurzeln in adeligem Haus in Tann (Rhön) |
| 2007 | Praktikum ZDF Washington (mit 16 Jahren) | Erste journalistische Erfahrung |
| 2011–2014 | Bachelor in Oxford | Fundierte geisteswissenschaftliche Ausbildung |
| 2016–2018 | Volontariat Bayerischer Rundfunk | Einstieg in den öffentlich-rechtlichen Journalismus |
| 2018 | Gründung News-WG und Arbeit im Berliner Hauptstadtstudio | Multimediale Innovation |
| 2021 | ARD-Korrespondentin in Tel Aviv | Übernahme der Nahost-Berichterstattung |
| 2023/2024 | Berichterstattung zum 7. Oktober und Gaza-Krieg | Nationale Aufmerksamkeit |
| 2024 | Mehrere Auszeichnungen (Deutscher Fernsehpreis etc.) | Anerkennung der Qualität |
| 2025 | Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis | Kontroverse Debatte um journalistische Freiheit |
| 2026 | Nominierung Grimme-Preis | Fortgesetzte Wertschätzung |
Sophie von der Tann hält ihr Privatleben bewusst zurückhaltend. Sie lebt seit 2021 in Tel Aviv und findet trotz der intensiven Berichterstattung Momente der Erholung. Die enge Bindung an ihre Familie in Deutschland und die Wurzeln in der Rhön geben ihr Halt. Über Partnerschaften oder weitere persönliche Details ist wenig öffentlich bekannt – ein bewusster Schutz der Privatsphäre in Zeiten ständiger medialer Präsenz.
Häufig gestellte Fragen zu Sophie von der Tann
Wie alt ist Sophie von der Tann?
Sophie von der Tann wurde am 29. April 1991 geboren und ist im Februar 2026 34 Jahre alt.
Seit wann arbeitet Sophie von der Tann für die ARD in Tel Aviv?
Sie ist seit August 2021 Korrespondentin im ARD-Studio Tel Aviv und berichtet aus Israel und den palästinensischen Gebieten.
Welche Auszeichnungen hat Sophie von der Tann erhalten?
Zu ihren wichtigsten Preisen zählen der Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises 2024, der Blaue Panther sowie der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2025.
Welche Sprachen spricht Sophie von der Tann?
Neben Deutsch beherrscht sie fließend Englisch, Französisch, Hebräisch und Arabisch.
Wie geht Sophie von der Tann mit Kritik an ihrer Berichterstattung um?
Sie weist Vorwürfe der Einseitigkeit als Diffamierung zurück und betont die Notwendigkeit unabhängiger, faktenbasierter Journalismus.
Fazit
Sophie von der Tann steht mit 34 Jahren bereits für eine beeindruckende journalistische Laufbahn. Von den akademischen Wurzeln über innovative Formate bis hin zur anspruchsvollen Nahost-Berichterstattung für die ARD verkörpert sie Kompetenz, Ausdauer und journalistische Integrität. Ihre Arbeit bereichert die deutsche Öffentlichkeit mit differenzierten Einblicken in eines der komplexesten Konfliktfelder der Welt.
Auch wenn Debatten um ihre Berichte zeigen, wie polarisierend Nahost-Themen wirken, bleibt sie eine unverzichtbare Stimme, die mit Fakten und Präsenz vor Ort Maßstäbe setzt. In den kommenden Jahren wird ihre Rolle in der ARD-Berichterstattung weiter an Bedeutung gewinnen.
