Inmitten des anhaltenden Strukturwandels im deutschen Einzelhandel nimmt Galeria eine besondere Rolle ein. Als letzte verbliebene große Warenhauskette mit bundesweiter Präsenz steht das Unternehmen 2026 symbolisch für die Herausforderungen traditioneller Innenstadt-Formate. Nach einer Serie von Insolvenzen und umfassenden Sanierungen hat sich die Kette unter neuer Führung neu aufgestellt.
Die Insolvenzgeschichte von Galeria: Drei Verfahren in weniger als fünf Jahren
Galeria, hervorgegangen aus der Fusion von Karstadt und Kaufhof, durchlief seit 2020 drei umfangreiche Restrukturierungsverfahren. Die erste Insolvenz im Jahr 2020 war stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt. Unter dem Schutzschirmverfahren konnten über zwei Milliarden Euro an Verbindlichkeiten reduziert werden, was jedoch mit der Schließung zahlreicher Standorte und einem erheblichen Stellenabbau einherging.
Die zweite Insolvenz folgte bereits 2022/2023. Auch hier kam das Schutzschirmverfahren zum Einsatz, das eine weitere Reduzierung des Filialnetzes ermöglichte. Im Mai 2024 erfolgte die dritte Insolvenzanmeldung – diesmal als Regelinsolvenz. Das Verfahren wurde im Juli 2024 abgeschlossen, nachdem Gläubiger einem Sanierungsplan zugestimmt hatten. Die Übernahme durch das Konsortium aus der US-amerikanischen NRDC Equity Partners unter Richard Baker und der von Bernd Beetz geführten BB Kapital SA markierte einen Neuanfang. Die Kette firmiert seit August 2024 schlicht als Galeria. Durch diese Schritte konnte eine sofortige Zerschlagung verhindert und der Großteil der Arbeitsplätze gesichert werden.
Trotz der erfolgreichen Abschlüsse bleibt die Insolvenzbelastung spürbar. Jede Sanierung brachte nicht nur Kosteneinsparungen, sondern auch tiefe Einschnitte in die Unternehmensstruktur. Die wiederholten Verfahren haben das Vertrauen von Lieferanten, Mitarbeitern und Kunden belastet, gleichzeitig aber auch Raum für eine Neuausrichtung geschaffen.
Standorte 2026: 83 Filialen im bundesweiten Netz
Zum Jahresbeginn 2026 betreibt Galeria genau 83 Warenhäuser auf dem deutschen Markt. Diese Zahl resultiert aus den Schließungen im Zuge der letzten Insolvenz: Von ehemals 92 Standorten wurden neun im August 2024 dauerhaft geschlossen, weitere geplante Reduzierungen konnten teilweise vermieden werden. Das aktuelle Netz umfasst sowohl große Flagship-Häuser in Metropolen als auch wichtige Regionalstandorte in mittelgroßen Städten.
Besonders stark vertreten ist Galeria in Nordrhein-Westfalen, wo mehrere Traditionsfilialen wie in Düsseldorf oder Köln weiterhin präsent sind – wenngleich über Schließungsgerüchte zur Kölner Hohe Straße spekuliert wird. In Bayern sorgen Häuser wie am Münchner Marienplatz für hohe Sichtbarkeit. In Berlin wurde der Mietvertrag für das Alexanderplatz-Haus bis mindestens Ende März 2027 verlängert, was rund 350 Arbeitsplätze sichert. Ähnliche Verlängerungen gelten für weitere Schlüsselstandorte.
Die Verteilung der 83 Filialen folgt einer strategischen Logik: Etwa die Hälfte befindet sich in Top-1- und Top-2-Lagen der Innenstädte, der Rest in stark frequentierten Einkaufszentren oder als Anker-Mieter in kleineren Städten. Dieses Netz deckt nahezu alle Bundesländer ab und erreicht damit Millionen potenzieller Kunden. Dennoch steht ein Teil der Häuser unter Rentabilitätsdruck, was weitere Optimierungen wahrscheinlich macht.
Chronologie der Filialentwicklung seit 2020
| Jahr | Filialanzahl vor/nach Sanierung | Wesentliche Veränderungen |
|---|---|---|
| 2020 | 172 → 116 | Corona-bedingte Schließungen von 56 Standorten |
| 2023 | 129 → 92 | Weitere 37 Schließungen im Zuge der zweiten Insolvenz |
| 2024 | 92 → 83 | Neun dauerhafte Schließungen nach dritter Insolvenz |
| 2026 | 83 | Keine weiteren bestätigten Schließungen bis Februar |
Diese Tabelle verdeutlicht den kontinuierlichen Schrumpfungsprozess, der die Kette von einst über 170 auf die heutige Größe eines mittelständischen Unternehmens reduziert hat.
Zukunft der Warenhauskette: Zwischen Stabilisierung und neuen Herausforderungen
Die Zukunft von Galeria im Jahr 2026 und darüber hinaus hängt von mehreren Faktoren ab. Positiv wirkt sich die im Geschäftsjahr bis September 2025 erzielte operative Profitabilität aus – erstmals seit über zehn Jahren schlossen alle 83 Filialen mit schwarzen Zahlen ab. Der Umsatz lag bei über zwei Milliarden Euro, das operative Ergebnis verbesserte sich um mehr als 100 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr.
Dennoch trübten sich die Aussichten Ende 2025 ein. Das Weihnachtsgeschäft verlief aufgrund ungünstiger Witterung und allgemein rückläufiger Kundenfrequenzen enttäuschend. Interne Zahlen zeigen sinkende Umsätze und Bruttogewinne. Der Gesamtbetriebsrat äußerte in einem Schreiben an die Belegschaft Kritik an einer „nicht erkennbaren Strategie“ und warnte vor möglichen weiteren Filialschließungen. Gleichzeitig forderte er Investitionen statt möglicher Ausschüttungen an die Gesellschafter.
Managementseitig kam es im Januar 2026 zu einem Wechsel: Finanzchef Christian Sailer wurde nach rund anderthalb Jahren abberufen. Neuer CFO ist Norman Krotten, bisher verantwortlich für Food und Gastro. Die operative Führung liegt weiterhin bei CEO Olivier van den Bossche. Die Zentrale wurde von Essen nach Düsseldorf verlegt, was die Nähe zu wichtigen Märkten und Partnern stärken soll.
Strategisch setzt Galeria auf eine Neupositionierung als modernes Erlebnis-Warenhaus. Dazu gehören Kooperationen mit Lidl in ausgewählten Berliner Filialen, die Integration des Payback-Systems seit Oktober 2025 sowie die Stärkung von Gastro- und Eventflächen. Online wird das Angebot schrittweise ausgebaut, ohne jedoch das stationäre Kerngeschäft zu vernachlässigen. Langfristig wird eine Investitionssumme von mehreren hundert Millionen Euro für Modernisierungen benötigt – eine Herausforderung, die die Eigentümer bisher nur teilweise adressiert haben.
Mögliche Szenarien reichen von einer weiteren Konsolidierung mit selektiven Schließungen bis hin zu einer erfolgreichen Transformation in ein hybrides Retail-Konzept. Externe Faktoren wie die gesamtwirtschaftliche Lage, Inflation und der Wettbewerb durch Online-Plattformen spielen eine entscheidende Rolle. Sollte es gelingen, die Kundenfrequenz in den Innenstädten zu steigern und das Sortiment zielgruppengerecht anzupassen, könnte Galeria seine Position als relevanter Anbieter festigen.
FAQS
Wie viele Filialen hat Galeria aktuell?
Galeria betreibt 83 Warenhäuser in Deutschland.
Gab es 2026 bereits eine neue Insolvenz?
Bis Februar 2026 wurde kein neues Insolvenzverfahren eingeleitet.
Wer sind die Eigentümer der Kette?
Ein Konsortium aus NRDC Equity Partners (Richard Baker) und Bernd Beetz über BB Kapital SA.
Drohen weitere Schließungen?
Mögliche Optimierungen werden diskutiert, konkrete Schließungen sind jedoch noch nicht bestätigt.
Wie entwickelt sich die Profitabilität?
2025 wurde erstmals seit über zehn Jahren ein operatives Plus erzielt, doch das Weihnachtsgeschäft 2025 fiel schwächer aus.
Fazit
Galeria hat in den vergangenen Jahren enorme Anpassungsleistungen erbracht und sich von einer existenzbedrohenden Krise zur operativen Profitabilität zurückgekämpft. Mit 83 Standorten und rund 12.000 Mitarbeitern bleibt die Kette ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in deutschen Innenstädten. Die Herausforderungen des Jahres 2026 – von strategischer Neuausrichtung bis hin zur Sicherung der Kundenfrequenz – erfordern jedoch konsequente Investitionen und klare Entscheidungen.
Ob die Warenhauskette langfristig Bestand haben wird, hängt maßgeblich davon ab, wie erfolgreich sie Tradition und Moderne miteinander verbindet. Die Entwicklung bleibt spannend und wird die deutsche Einzelhandelslandschaft weiter prägen.
