Florian Lipowitz verkörpert wie kaum ein anderer die moderne Geschichte eines deutschen Radsporttalents. Der 25-jährige Schwabe aus Laichingen auf der Schwäbischen Alb hat innerhalb weniger Jahre eine beeindruckende Transformation vollzogen – vom vielversprechenden Biathlon-Junior über schwere Verletzungen hin zum Podiumsfahrer der Tour de France. Mit seinem dritten Gesamtplatz und dem Sieg im weißen Trikot bei der 112. Tour de France 2025 hat Lipowitz nicht nur sich selbst, sondern dem gesamten deutschen Radsport neuen Glanz verliehen. Im März 2026 steht der Allrounder bei Red Bull – BORA – hansgrohe als einer der beiden Kapitäne für die kommende Frankreich-Rundfahrt bereit und teilt sich die Führungsrolle mit Neuzugang Remco Evenepoel.
Kindheit auf der Schwäbischen Alb
Geboren am 21. September 2000 in Laichingen wuchs Florian Lipowitz in einer sportbegeisterten Familie auf. Seine Eltern Evelyn und Marc, beide passionierte Ausdauersportler, legten den Grundstein für seine Leidenschaft. Der Vater betreibt ein Sicherheitsunternehmen, doch Sport stand immer im Mittelpunkt. Bereits mit acht Jahren entdeckte Florian das Biathlon beim DAV Ulm. Schnell zeigte sich sein Talent: Als Schüler wurde er Deutscher Meister und gehörte bis 2018 dem Nationalkader an. Zusammen mit seinem eineinhalb Jahre älteren Bruder Philipp, der später Junioren-Weltmeister wurde, trainierte er hart.
Umzug nach Österreich und erste Titel
Mit 13 Jahren zog die Familie nach Seefeld in Tirol, um die optimale Förderung am Schigymnasium Stams zu nutzen – einer Schule, die bereits über 30 Olympiasieger hervorbrachte. Hier entwickelte sich Florian zum Spitzentalent. Er hielt den Rekord im Liegendschießen und glänzte bei nationalen und internationalen Wettkämpfen. Dennoch blieb der Sommer dem Radfahren vorbehalten: Schon mit neun Jahren absolvierte er seinen ersten Radmarathon über den Stilfser Joch. Familienausflüge führten über die Alpen und Pyrenäen – 800 Kilometer und 16.000 Höhenmeter von Genf nach Nizza blieben unvergessen.
Der schmerzhafte Wechsel zum Radsport
Knieprobleme, darunter eine Wachstumsfugenentzündung und ein Kreuzbandriss beim Kitesurfen, zwangen Lipowitz 2018 zum Umdenken. Der Abschied vom Biathlon fiel schwer, doch das Rad bot eine neue Perspektive. 2019 gewann er gleich mehrere Radmarathons, darunter den Engadin Radmarathon und den Imster Radmarathon mit Streckenrekord. Eine Leistungsdiagnostik beim Tirol KTM Continental Team überzeugte: 2020 erhielt er seinen ersten Profivertrag auf Continental-Niveau.
Die ersten Jahre waren hart. Ohne Lizenzrennerfahrung startete er bei der Umag Trophy und stürzte auf Platz 102. Die Corona-Pause nutzte er, um sich intensiv auf Zeitfahren und Bergtraining zu konzentrieren. 2022 durfte er als Stagiaire bei Bora-hansgrohe schnuppern. Teamchef Ralph Denk erkannte das Potenzial des ruhigen, disziplinierten Schwaben sofort.
Der Profi-Aufstieg bei Bora-hansgrohe
2023 unterschrieb Lipowitz seinen ersten WorldTour-Vertrag. Der Durchbruch kam bei der Czech Tour: Er gewann die Gesamtwertung, die zweite Etappe und die Punktewertung – sein erster Profisieg. Im selben Jahr wurde er Vierter bei der Tour of the Alps und zeigte, dass er in der WorldTour mithalten konnte.
2024 folgte der nächste Schritt. Bei der Tour de Romandie erreichte er als Dritter sein erstes WorldTour-Podium. Bei der Sibiu Cycling Tour sicherte er sich Gesamtsieg und Bergwertung. Beim Giro d’Italia 2024 half er Daniel Martínez und wurde Fünfter auf der Königsetappe nach Oropa, musste aber krankheitsbedingt aufgeben. Bei der Vuelta a España 2024 fuhr er als Helfer von Primož Roglič auf Platz sieben gesamt – das beste deutsche Ergebnis seit Jan Ullrich 1999 – und wurde Zweiter in der Nachwuchswertung. Zudem wurde er Deutscher Vizemeister im Straßenrennen.
Die Sensationssaison 2025 und der Tour-de-France-Traum
2025 wurde zum absoluten Highlight. Bei Paris-Nizza wurde Lipowitz Zweiter gesamt und gewann das weiße Trikot. Bei der Baskenland-Rundfahrt landete er auf Rang vier. Beim Critérium du Dauphiné fuhr er hinter Pogačar und Vingegaard auf Platz drei und sicherte erneut die Nachwuchswertung. Dann kam die Tour de France: Als Debütant fuhr der 24-Jährige ein sensationelles Rennen, hielt sich in den Pyrenäen und Alpen konstant vorn und stand am Ende auf dem Podium in Paris – Dritter hinter Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard. Das weiße Trikot als bester Jungprofi war die Krönung. „Ein Traum ist wahr geworden“, sagte er danach bescheiden.
Wichtige Meilensteine in der Karriere von Florian Lipowitz
| Jahr | Wettbewerb | Erfolg |
|---|---|---|
| 2023 | Czech Tour | Gesamtsieg, Etappe 2, Punkte |
| 2024 | Sibiu Cycling Tour | Gesamtsieg, Bergwertung |
| 2024 | Tour de Romandie | 3. Platz gesamt |
| 2024 | Vuelta a España | 7. Platz gesamt |
| 2025 | Paris-Nizza | 2. Platz + weißes Trikot |
| 2025 | Critérium du Dauphiné | 3. Platz + weißes Trikot |
| 2025 | Tour de France | 3. Platz + weißes Trikot |
| 2026 | Vuelta a Mallorca (TTT) | 1. Platz (Mannschaft) |
| 2026 | Volta ao Algarve | 8. Platz gesamt |
Im März 2026 hat Lipowitz die Saison bereits erfolgreich gestartet. Beim Saisonauftakt auf Mallorca gewann das Team das Mannschaftszeitfahren – eine wichtige Generalprobe für die Tour. Bei der Volta ao Algarve fuhr er auf Rang acht und zeigte gute Form. Die Teamleitung hat klare Pläne: Lipowitz und Remco Evenepoel teilen sich die Kapitänsrolle bei der Tour de France 2026. Primož Roglič soll derweil die Vuelta a España angreifen. Lipowitz selbst hat den Giro d’Italia aus dem Programm genommen, um sich voll auf die Tour zu konzentrieren. „Die Tour ist das größte Rennen. Jeder will dabei sein“, betonte er im Herbst 2025.
Der 25-Jährige hat seinen Vertrag langfristig verlängert und gilt als ruhender Pol im Team. Seine Stärken liegen in der konstanten Leistung in den Bergen, der guten Erholungsfähigkeit und der Teamfähigkeit als Helfer – Eigenschaften, die er aus dem Biathlon mitbringt.
Privatleben: Bodenständigkeit abseits der Straße
Trotz des plötzlichen Ruhms bleibt Florian Lipowitz der bodenständige Schwabe. Er lebt zurückgezogen, genießt die Natur und die Zeit mit Familie und Freunden. Seine Partnerin Antonia begleitete ihn bereits während der Tour 2025 und sorgt für den privaten Ausgleich. Die Familie steht hinter ihm: Der Umzug nach Tirol war ein gemeinsames Opfer, das sich ausgezahlt hat. Lipowitz engagiert sich auch abseits des Sports und bleibt bescheiden. „Ich habe nie geglaubt, dass ich mal auf dem Podium in Paris stehen würde“, sagte er nach der Tour.
Seine Persönlichkeit – ruhig, analytisch, nie überheblich – macht ihn bei Fans und Teamkollegen beliebt. Tadej Pogačar nannte ihn nach der Tour einen „coolen Typen“. Diese Eigenschaften helfen ihm, mit dem Druck umzugehen, der mit der Rolle als deutscher Hoffnungsträger einhergeht.
FaQs
Wie alt ist Florian Lipowitz?
Florian Lipowitz wurde am 21. September 2000 geboren und ist im März 2026 25 Jahre alt.
Für welches Team fährt Florian Lipowitz?
Seit 2023 fährt er für Red Bull – BORA – hansgrohe, zuvor Tirol KTM.
Welche ist seine größte Leistung?
Der dritte Platz bei der Tour de France 2025 mit dem Gewinn des weißen Trikots als bester Nachwuchsfahrer.
Hat Florian Lipowitz Geschwister?
Ja, einen älteren Bruder namens Philipp, der ebenfalls Biathlet ist.
Plant er 2026 den Giro d’Italia?
Nein, der Fokus liegt ausschließlich auf der Tour de France 2026.
Fazit
Florian Lipowitz hat in nur sechs Jahren vom Biathlon-Abschied bis zum Tour-Podium eine Karriere hingelegt, die ihresgleichen sucht. Seine Geschichte steht für Durchhaltevermögen, kluge Entscheidungen und die Liebe zum Sport. Mit 25 Jahren steht er erst am Anfang. Die Zusammenarbeit mit Remco Evenepoel bei Red Bull – BORA – hansgrohe verspricht spannende Jahre.
Für den deutschen Radsport ist Lipowitz mehr als ein Talent – er ist die neue Hoffnung, die mit ruhiger Souveränität und bergstarker Leistung begeistert. Ob er 2026 noch höher hinauskommt, wird sich zeigen. Eines ist sicher: Die Schwäbische Alb hat einen neuen Helden hervorgebracht, der weit über die Region hinaus strahlt.
