Marius Borg Høiby steht seit 2026 im Zentrum eines der größten Strafprozesse der jüngeren norwegischen Geschichte. Der 29-jährige Sohn von Königin Mette-Marit wurde im Juni 2026 in Oslo wegen mehrerer schwerer Straftaten verurteilt, darunter zweifache Vergewaltigung. Der Fall, der laut norwegischen Medien zu den umfangreichsten Vergewaltigungsermittlungen der letzten Jahre zählt, geht inzwischen in eine zweite gerichtliche Runde.
Wer ist Marius Borg Høiby?
Marius Borg Høiby wurde am 13. Januar 1997 geboren und ist der Sohn von Königin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung, bevor diese 2001 König Haakon heiratete. Er trägt keinen königlichen Titel, hat keine Thronfolgerechte und übt keine offiziellen Aufgaben für das norwegische Königshaus aus. Dennoch ist er regelmäßig bei familiären Anlässen des Hofes zu sehen – zuletzt bei der Trauerfeier für König Harald V. am 9. September 2026 in Oslo. König Harald war am 28. August 2026 im Alter von 89 Jahren gestorben; seither ist Kronprinz Haakon als König Haakon VIII. Staatsoberhaupt, und Mette-Marit trägt seither den Titel Königin.
Seit 2017 ist Høiby wiederholt in Strafverfahren verwickelt gewesen, die Gewaltvorwürfe, Drogenkonsum und Verstöße gegen Kontaktverbote betrafen.
Welche Vorwürfe wurden gegen Marius Borg Høiby erhoben?
Im August 2025 wurde Høiby wegen vier Vergewaltigungsvorwürfen sowie zahlreicher weiterer Delikte angeklagt. Die Staatsanwaltschaft warf ihm insgesamt 40 Gesetzesverstöße vor, darunter:
- vier Fälle mutmaßlicher „Schlafvergewaltigung“ (sexuelle Handlungen an Personen, die aufgrund von Schlaf oder Berauschung nicht widerstehen konnten)
- Misshandlung in nahen Beziehungen gegenüber seiner damaligen Ex-Freundin, der TV-Persönlichkeit Nora Haukland
- Gewalthandlungen, Sachbeschädigung und mehrfache Verstöße gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer weiteren Ex-Partnerin
- das heimliche Filmen des Intimbereichs mehrerer Frauen ohne deren Wissen oder Einwilligung
- Drohungen, Behinderung der Polizei sowie mehrere Verkehrsdelikte
Im Januar und März 2026 kamen im Zuge der Ermittlungen weitere Anklagepunkte hinzu. Høiby bestritt die schwersten Vorwürfe, räumte jedoch einzelne Delikte wie schwere Körperverletzung, rücksichtsloses Verhalten und den Transport von Marihuana ein.
Wie endete der Prozess gegen Marius Borg Høiby?
Der Hauptprozess vor dem Osloer Bezirksgericht (Oslo tingrett) begann Anfang Februar 2026 und dauerte sieben Wochen. Mehr als 70 Zeugen wurden gehört, dazu über 830 Seiten Nachrichtenverläufe und mehr als 10.000 Seiten Beweismaterial vorgelegt.
Am 15. Juni 2026 verkündete Richter Jon Sverdrup Efjestad das einstimmige, 128-seitige Urteil: Høiby wurde in 34 von 40 Anklagepunkten schuldig gesprochen, darunter zwei Fälle von Vergewaltigung – an Skaugum im Jahr 2018 sowie in der Wohnung einer Frau in Oslo nach einer Feier zu Ostern 2024. Von zwei weiteren Vergewaltigungsvorwürfen (ein Vorfall in Lofoten im Herbst 2023, ein weiterer in einem Osloer Hotel im November 2024) wurde er freigesprochen. Zusätzlich wurde er wegen Misshandlung seiner Ex-Freundin Nora Haukland sowie wegen eines zweijährigen Verstoßes gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer anderen früheren Partnerin verurteilt.
Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren sowie Entschädigungszahlungen von insgesamt 640.000 norwegischen Kronen an vier Geschädigte. Das Gericht stellte zudem ausdrücklich fest, dass das große öffentliche Interesse und die intensive Medienberichterstattung nicht als strafmildernder Umstand gewertet würden.
Wird Marius Borg Høiby in Berufung gehen?
Ja. Høiby legte am Tag der Urteilsverkündung Berufung gegen die beiden Vergewaltigungsverurteilungen sowie gegen die Verurteilung wegen Misshandlung in naher Beziehung ein; die Freisprüche in den beiden anderen Fällen wurden nicht angefochten und sind rechtskräftig. Auch die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, da sie das Strafmaß für zu niedrig hält.
Das Berufungsgericht Borgarting lagmannsrett gab im September 2026 bekannt, die Berufung vollständig zuzulassen: Sowohl die Schuldfrage als auch das Strafmaß und die Entschädigungsansprüche werden in einem neuen Verfahren erneut geprüft. Die Berufungsverhandlung ist vom 9. Februar bis voraussichtlich 5. März 2027 unter Vorsitz von Richter Frode Elgesem angesetzt und soll rund vier Wochen dauern – kürzer als der erste Prozess, da unstrittige Nebenpunkte nicht erneut verhandelt werden. Høiby befand sich seit Anfang Februar 2026 in Untersuchungshaft beziehungsweise später im Hausarrest mit Fußfessel auf Skaugum; die bereits verbüßte Zeit wird auf eine mögliche endgültige Strafe angerechnet.
Häufige Fragen zu Marius Borg Høiby
Ist Marius Borg Høiby Mitglied der norwegischen Königsfamilie?
Nein, er hat keinen königlichen Titel und keine offiziellen Aufgaben. Er ist der Sohn von Königin Mette-Marit aus einer Beziehung vor ihrer Ehe mit König Haakon VIII. und damit Stiefsohn des Königs.
Wofür wurde Marius Borg Høiby verurteilt?
Er wurde am 15. Juni 2026 wegen zweifacher Vergewaltigung, Misshandlung in naher Beziehung sowie weiterer Delikte zu vier Jahren Haft verurteilt.
Sitzt Marius Borg Høiby aktuell im Gefängnis?
Er befand sich zeitweise in Untersuchungshaft und später im Hausarrest mit elektronischer Fußfessel auf Skaugum. Der endgültige Ausgang des Verfahrens hängt vom Berufungsprozess ab, der im Februar 2027 beginnt.
Fazit
Der Fall Marius Borg Høiby verbindet einen der größten Strafprozesse Norwegens der letzten Jahre mit der öffentlichen Rolle des norwegischen Königshauses. Nach der Verurteilung zu vier Jahren Haft im Juni 2026 wegen zweifacher Vergewaltigung und weiterer Delikte hat das Berufungsgericht Borgarting lagmannsrett die Berufung vollständig zugelassen. Ab dem 9. Februar 2027 wird die Schuldfrage in den zentralen Anklagepunkten in einem neuen Verfahren erneut verhandelt – der endgültige juristische Ausgang des Falls bleibt damit vorerst offen.
